Innovationsmanager sehen sich tagtäglich mit einer Vielzahl an Aufgaben konfrontiert, deren Ausmaß und Vielfalt mitunter überwältigende Züge annimmt. Dementsprechend hoch ist innerhalb von Organisationen die Erwartungshaltung an diese Funktionsträger.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie von Accenture zeigt die konkreten Herausforderungen im Innovationsmanagement insbesondere bei der Realisierung von Innovationsinitiativen. Sie unterstreicht damit auch die breiten Anforderungen, die heute vor dem Hintergrund der Digitalen Transformation gelten. Diese Anforderungen verdeutlichen wir in den folgenden 5 Thesen:

1) Die Digitalisierung befördert neue Zusammenarbeitsmodelle über Innovations-Teams, Abteilungen und Firmengrenzen hinaus. Dies setzt im Wesentlichen eine offene Innovationskultur voraus.

Unlängst wies der Chief Innovation Evangelist bei Google, Frederik Pferdt, daraufhin, dass Innovationsräume häufig in vielen Unternehmen zuerst eingerichtet werden und dann leer bleiben. Denn es fehle an einer Innovationskultur.

Im Zuge der Digitalisierung heißt das konkret, dass zunehmend das Potential über die Abteilungsgrenzen hinweg gehoben werden muss, was eines Denkens und Handelns in kollaborativen sowie interdisziplinären Netzwerken bedarf. Für viele Unternehmen eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, zumal die Abteilungen sich grundlegend in ihren eigenen Lebenswelten befinden und damit eine eigene Kultur entwickelt haben. Dementsprechend herrscht nicht selten zwischen den Abteilungen, einzelnen Teams oder gar Kollegen eine Kultur des Neids, Misstrauen, bis hin zu einer Kultur der (Über-)Perfektion, aus Angst, keine Fehler zu machen.

So verharrt man lieber in alten Bahnen, während sich das Marktumfeld durch die Digitalisierung radikal verändert. Aufgabe des Innovationsmanagers ist es hier, mit viel Gefühl die Innovationskultur systematisch und vor dem Hintergrund der bedeutsamen Ziele und Strategien des Unternehmens, einzuschätzen und entsprechende kulturfördernde Elemente und Maßnahmen umzusetzen. Der Innovationsmanager muss dazu auch den Rahmen für externe Markt-Impulse und damit einen inspirierenden Raum für Innovationen schaffen. Das Ergebnis sollte eine Initiativ-Kultur sein, die sich überwiegend durch ein kontinuierliches Lernen, Teilen von Wissen und Experimentieren auszeichnet.

2) Mit der Digitalisierung lassen sich Ideen effizienter und effektiver zu wertbringenden Lösungen entwickeln

Laut eines Berichts von strategy + business stiegen die Forschungs- und Entwicklungsausgaben zahlreicher internationaler Großkonzerne in den letzten Jahren dramatisch an. Doch F&E ist häufig nicht mit Innovation gleichzusetzen. Nur weil etwas patentfähig ist, ist es nicht zwangsläufig marktfähig. Leider wird noch zu oft der Erfolg von Innovationen mit der Zahl der Patente gleichgesetzt. Gleiches gilt für die nach wie vor starke Gewichtung DER Idee an sich, welche im Vergleich der Umsetzung EINER Idee eine untergeordnete Rolle spielen sollte.

Hier ist entsprechend ein Umdenken gefragt: sowohl wie Innovationserfolge gemessen als auch wie sie realisiert werden sollen. Letzteres kann infolge der Digitalisierung und im Gegensatz zu früheren Zeiten effizienter und effektiver (zum Beispiel über Open Innovationen-Plattformen) realisiert werden – wie der Innovations-Professor Frank Piller erläutert.

Ziel muss es für den Innovationsmanager sein, mit den passenden Innovationsmethoden und Innovations-Tools systematisch von der anfänglichen Idee zum ersten validierten Digital-Produkt oder Geschäftsmodell zu gelangen. Dies bedeutet allerdings auch, sich auf die Logik von Startups bzw. jener der tausendfach zitierten Entrepreneurship-Professorin Saras Sarasvathy einzulassen, dass man sich zunächst im Suchmodus befindet. Lernfortschritt erfolgt hier – wie es Günther Drück treffend formuliert – beim Handeln.

3) Die Digitalisierung macht Innovationsprojekte kleinteiliger und zwingt zur stärkeren Koordination und Steuerung verschiedenster Innovationsinitiativen
Im Zuge der Digitalisierung ist es die Aufgabe des Innovationsmanagers eines durchschnittlichen Unternehmens, aus der Vielzahl an potenziellen Innovationsvorhaben die zur Innovationsstrategie passenden auszuwählen und die Gesamtheit an Initiativen zu koordinieren und zu steuern. Hierbei müssen sowohl die internen, aber insbesondere auch die externen Innovationsinitiativen  – z.B. Kollaborationen mit Startups –  aufeinander abgestimmt werden. Die Grenzen zwischen intern und extern heben sich dabei immer mehr auf.

Der Innovationsmanager wird hier zum empathischen Initiator, Moderator und Koordinator vielfältiger kollaborativer Innovationsvorhaben in verschiedenen Ökosystemen (siehe auch These 5)) und muss diese in Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung und vor dem Hintergrund der Bedenken und Einwände der eigenen Mitarbeiter vorantreiben.

4) Die Digitalisierung führt zu Kompetenzerweiterungen und dem schnellen Aneignen von neuen Fähigkeiten
Die Digitalisierung wirkt sich auch besonders stark auf die Kompetenzen und Fähigkeiten der Mitarbeiter eines Unternehmens aus. Bislang über die Jahre erworbene Fähigkeiten und Erfahrungswerte werden durch die Logik der Digitalisierung in ihrer Gültigkeit infrage gestellt. In der Zukunft werden – laut einer McKinsey-Studie – neuartige technische (z.B. datenfokussierte), unternehmerische und kollaborative Kompetenzen verstärkt notwendig sein. Folglich muss der Innovationsmanager erkennen, wie das Kompetenzprofil der internen und externen Innovatoren entsprechend aufgestellt sein soll, damit das Unternehmen innovativ denkt und handelt. Welche Methoden sowie Methodenkombinationen helfen, um innovativ und kundenzentriert zu sein?

Hier muss der Innovationsmanager in enger Zusammenarbeit mit der Personalentwicklung die Weiterbildungsmaßnahmen im Unternehmen koordinieren und aufgrund der gesunkenen Halbwertszeit von Wissen (Im IT/Software-Bereich < 1 Jahr) neue Lösungen von geeigneten Weiterbildungen finden. Wichtig ist dabei sicherlich die kritische Überprüfung von Einzelschulungen in Form von linearen Seminaren. Stattdessen sollte man sich mehr zu flexiblen teamorientierten Action-Learning und Project-Based-Learning Programmen wenden. Digitale Lernplattformen und kollaborative Tools müssen hier den Innovationsteams aufgrund ihrer individuellen Rahmenbedingungen folgen und nicht andersrum. Hier wird der Innovationsmanager ebenfalls in die Entscheidung involviert, welche Tools die Voraussetzungen zum Innovieren befördern und welche nicht.

5) Die Digitalisierung fördert das Denken und Handeln in Innovationsökosystemen
Infolge der Digitalisierung werden die Innovationsaktivitäten von Unternehmen in physische und/oder digitale Ökosysteme verlagert. Innovation erfolgt nicht mehr isoliert, sondern im Zusammenspiel mit anderen Akteuren – so wie dies beispielsweise Facebook mit der Kryptowährung Libra vollführt, an der auch andere Partner wie Visa und Uber beteiligt sind. Symptomatisch für das Denken in Innovationsökosystemen ist die API-Ökonomie, also die Gestaltung von Software-Schnittstellen, die es ermöglichen, die eigene digitale Lösung um einen Verbund weiterer Angebote entlang einer übergeordneten Customer Journey zu erweitern.

Genau diese proaktive Gestaltung der Innovationsvorhaben des eigenen Unternehmens vor dem Hintergrund eines größeren Ökosystems wird zur Herausforderung des Innovationsmanagers. Der Innovationsmanager braucht dazu einen aktuellen Überblick über die relevanten innovativen Akteure im Markt (u.a etablierte Wettbewerber, Startups, Fachinstitutionen) sowie deren Kundensegmente, Technologien und Geschäftsmodelle. Basierend hierauf sowie in Abstimmung mit den Innovationsaktivitäten des eigenen Unternehmens muss der Innovationsmanager die passenden Innovationspartner identifizieren, ansprechen und die Beziehung zu diesen aktiv managen. Dass bedeutet auch, die (oftmals gegensätzlich verlaufenden) Interessen dieser Innovationspartner mit den eigenen Interessen in Einklang zu bringen.

Damit dies gelingt, muss der Innovationsmanager den Mehrwert eines vitalen Innovationsökosystems sowie den Mehrwert von vertrauensvoller Kollaboration im gesamten Innovationsökosystem klar kommunizieren. In Zeiten der ungewissen und komplexen Dynamiken der Digitalisierung sind diese kommunikative Klarheit und die daraus resultierenden beziehungsstabilen Innoviationsökosysteme echte Wettbewerbsvorteile.

Fazit

Die 5 genannten Thesen wurden zwar separat aufgeführt, doch sind sie keineswegs voneinander entkoppelt. Der Erfolg, der in einem Unternehmen verwendeten Innovationsmethoden wird beispielsweise stark von der vorherrschenden Unternehmenskultur beeinflusst. Und an derartigen Wechselwirkungen zeigt sich, wie anspruchsvoll und vielseitig der Job eines Innovationsmanagers ist – insbesondere wegen der Umbrüche der Digitalisierung.

Damit ein Innovationsmanager vor dem Hintergrund derartiger Umbrüche digitale Innovationen für seine Organisation zielführend umsetzen kann, sollte er stets die folgenden Fragen beantworten können!

  • Warum sind Digitale Innovation für mein Unternehmen wichtig?
  • Wie kann ich mit meinen gegebenen Mitteln Digitale Innovation für meine Organisation zielführend realisieren?
  • Was benötige ich konkret dafür?

Wir hoffen der Artikel gab Ihnen mindestens ein Impuls, damit Sie in Zukunft als Innovationsmanager noch erfolgreicher sein können.

Bei spezifischen Fragen jederzeit gerne.

Die Autoren Martin Allmendinger und Patrik Walter sind Mitarbeiter der OMM Solutions GmbH und fokussieren sich vor dem Hintergrund der Digitalen Transformation auf die wertschöpfenden Innovationspotentiale, die sich durch die Kollaboration mittelständischer Unternehmen über Branchengrenzen hinweg ergeben.

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“Die OMM Solutions GmbH ist ein unabhängiger und ganzheitlicher Partner für den Mittelstand. Wir begleiten Unternehmen bei der Digitalen Transformation von der Planungs- bis zur Umsetzungsphase. Hierfür finden, bewerten oder entwickeln wir individuelle Lösungen auf Basis unserer Kompetenzfelder Digitale Innovation und Digitale Technologie.”

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